Die fünf Geschwister leben gemeinsam mit ihrem Vater und der Großmutter in einem Haus in Brasilien. Die Mutter ist verschwunden und das Einzige, was von ihr zurückgeblieben ist, sind Videoaufzeichnungen, auf denen sie gemeinsam mit den Kindern zu sehen ist und in dessen Rückblicken es phasenweise so wirkt, als sei hier die Welt noch in Ordnung gewesen.
Als eines Morgens für jedes Kind ein paar „neue“ Schuhe vor der Tür standen, vermutet der Vater, das diese vermutlich von der Mutter in der Nacht gebracht wurden. Er macht sich kurzer Hand auf den Weg, um seine Partnerin zu suchen. Allerdings kehrt auch er nicht zurück und so sind die Kinder mehr oder weniger auf sich alleine gestellt.
Das Zusammenleben mit der Großmutter gestaltet sich recht speziell. Sie glaubt fest daran, das der Teufel kommen wird, wenn man nicht gut genug aufpasst oder gewisse Regeln nicht einhält. Dieser starke Glaube spiegelt sich auch in der gesamten Struktur der Familie wieder. So dürfen die Kinder nicht das Grundstück verlassen, alle Fenster sind blickdicht mit Zeitungen und Tüten zugeklebt, so das niemand richtig rein oder raus schauen kann und an der Decke des Zimmers der Großmutter befinden sich eine große Anzahl an Fliegenfängern.

Im Großen und Ganzen arrangieren und akzeptieren die Kinder ihre Lebenssituation, besitzen aber hier und da auch gewisse rebellische oder forschende Züge.
Einer der älteren Töchter streckt immer wieder ihren Arm durch ein kleines Loch in der Wand hinaus, wo sie zuvor einen Ziegelstein aus der Wand entfernt hat, um vermutlich ein Hauch von Freiheit zu fühlen. Einer der Söhne geht hier einen ganzen Schritt weiter und entfernt mehrere der Steine, um in die Freiheit zu kommen. An einem Tag organisieren die Kinder sogar einen ausgeklügelten Plan, um der Großmutter den Schlüssel zu entwenden, damit sie an der Straße in Freiheit spielen zu können, was jedoch ungeahnte Konsequenzen mit sich zieht. So vernehmen die Kinder eines Nachts recht laute Geräusche von der Tür. Aus Sorge, das jemand in die Wohnung eindringen will, ruft eines der Kinder am Ende die Polizei. Als jene eintrifft und somit einen Einblick in die Lebenssituation der Kinder bekommt sowie die Informationen hinsichtlich dem Verbleib der Eltern etwas schwammig erscheint, folgt kurz darauf ein angekündigter Besuch vom Jugendamt. In der Hoffnung, dass das Familienkonstrukt nicht weiter auseinanderfällt, denken sich die Kinder einen neuen Plan aus und arbeiten gemeinsam daran, das zumindest die Wohnung in einem einwandfreien Zustand erscheint. Auch versuchen sie eine deckungsgleiche Geschichte über den Verbleib ihrer Eltern zu erfinden, in der Hoffnung das sie weiterhin in Ruhe gelassen werden und zusammenbleiben können.

Fazit:
Der Einstieg in die Geschichte ist mir ein wenig schwer gefallen. Im Verlauf des Films haben mir die Rückblicke in Form der alten Videoaufzeichnungen etwas geholfen, einen tieferen Einblick in das Geschehene zu erhalten. Vieles bleibt aber auch im dunkeln. Man weiß nicht genau warum die Mutter verschwunden ist, es wird auch nicht weiter hinterfragt wann der Vater wieder kommt und vor allem erfährt man nicht den Hintergrund, warum die Mutter so sehr an den Teufel glaubt. Dafür lässt der Film aber auch recht viel Spielraum für eine ganz eigene Interpretation, wie es zu jener Situation gekommen ist und wie sie sich vielleicht auflösen wird.
Darsteller:
Mariapau Bravo Aviña (Elsa)
Rafael Nieto Martínez (Tomás)
Regina Alejandra (Marisol)
Donovan Said (Víctor)
Laura Uribe Rojas (Vanessa)
Carmen Ramos (Romana)
Bernardo Gamboa (Emiliano)
Micaela Gramajo (Judith)
Regie:
Ernesto Martínez Bucio
Infos zum Film:
https://www.berlinale.de/de/2025/programm/202505986.html